„Ich habe da eine Idee … aber ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich ein Buch ist.“ Diesen Satz höre ich besonders oft auf Netzwerkevents, nachdem ich mich in 3 Sätzen vorgestellt habe. Eigentlich total cool für mich, denn ich muss meinerseits häufig hart überlegen, wie ich zu eine Kurzvorstellung eines Ingenieurs oder einer Softwarespezialistin einen guten Anknüpfungspunkt finde. Viele Menschen tragen eine Buchidee mit sich herum. Aber wie kann man eigentlich prüfen, ob daraus wirklich ein Buch werden kann? Genau dafür habe ich meinen 10-Minuten-Buchcheck entwickelt. Mit drei Fragen kannst du deine Buchidee prüfen, bevor du Zeit in ein ganzes Manuskript investierst.
Ein Tisch, ein Schild – und ganz viele Buchideen
Ich nutze gerne die Gelegenheit, meine Online-Kontakte auch im echten Leben kennenzulernen. Das LinkedIn Local Event in Hamburg ist dafür eine schöne Gelegenheit. Für diesen Abend hatte sich die Organisatorin in der Speicherstadt etwas Besonderes überlegt: Neben dem traditionellen Networking gab es auch einen Marktplatz – und ich mit Expertinnen-Buch.de mittendrin mit meinem „10-Minuten-Buchcheck“
Hinter mir lief auf einer großen LED-Wand eine schicke animierte Grafik von mir. Zugegeben, ein bisschen auffällig. Aber genau das war die Idee. Wer über Bücher spricht, darf ruhig sichtbar sein.
Das Prinzip war simpel: Wer Lust hatte, setzte sich kurz zu mir und erzählte von seiner Buchidee. Ich wollte keinen angeleiteten Workshop und generell kein kompliziertes Format anbieten, sondern stattdessen nur ganz niederschwellig ein Gespräch mit einer Expertin. Quick and dirty so zusagen. In maximal 10 Minuten und mit nur drei Fragen.
Im Laufe des Abends landeten spannende Menschen an meinem Tisch. Einige waren sehr neugierig und andere noch eher vorsichtig. Aber der Einstieg klang tatsächlich oft gleich: „Ich habe da eine Idee … aber ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich ein Buch ist.“
Buchidee prüfen
Diese Gespräche haben mich wieder einmal an etwas erinnert, das ich auf unterschiedlichsten Veranstaltungen ganz häufig erlebe: Bücher sind fantastische Smalltalk-Themen.
Kaum erzähle ich, dass ich Frauen dabei begleite, ihr Expertenbuch zu schreiben, beginnt mein Gegenüber zu erzählen. Von der eigenen Idee. Von einem Thema, das schon lange im Kopf herumspukt. Oder von dem Buch, das eigentlich längst angefangen werden sollte. Und genau hier wird es für mich spannend, denn die meisten dieser Ideen sind gar nicht schlecht. Viele sogar richtig gut. Trotzdem bleiben diese potenziellen Buchprojekte oft irgendwo auf halber Strecke hängen, weil die wichtigen Fragen nicht gestellt wurden um diese Buchideen zu prüfen, damit es an den entscheidenden Stellen eben nicht an Klarheit fehlt.
Der 10-Minuten-Buchcheck: Mit drei Fragen zur Klarheit
An meinem Tisch stellte ich allen die selben drei Fragen, die einfach und schnell überprüfen, ob aus einer Idee wirklich ein Buch werden kann.
Frage 1: Welches Ziel verfolgst du mit deinem Buch?
Diese Frage wirkt auf den ersten Blick simpel, ist sie aber gar nicht.
Viele Menschen tragen eine Buchidee im Kopf, weil sie ein Thema fasziniert, weil sie Erfahrungen gesammelt haben oder weil sie etwas Wichtiges weitergeben möchten.
Das ist grundsätzlich ein ehrlicher und starker Antrieb. Sobald ein Buch allerdings auch für dein Business arbeiten soll, braucht es mehr als Begeisterung für ein Thema. Dann geht es nämlich um Wirkung, Marketingpotenzial und vor allem um für deine Arbeit auch einen realen Mehrwert zu erzielen, der über ein gedrucktes Buch in den Händen zu halten hinaus geht.
Überprüfe als einmal genau deine ziele, die du mit deiner Buchidee verfolgst: Willst du zum Beispiel mit deinem Buch sichtbarer werden? Neue Kundinnen erreichen? Deine Expertise klar positionieren? Eine Methode vorstellen oder deine Vorträge unterstützen?
Ein Expertenbuch funktioniert am besten, wenn dieses Ziel glasklar ist. Ohne diese Klarheit bleibt das Projekt oft eine schöne Idee – aber keine strategische Entscheidung.
(Wenn du noch überlegst, ob ein Buch für dich der nächste Schritt ist, schau auch in meinen Artikel „6 Situationen, in denen ein eigenes Buch für Selbständige der nächste logische Schritt ist“.)
Frage 2: Wer soll dieses Buch lesen?
Jetzt wird es meistens kurz still am Tisch. Die häufigste Antwort klingt dann ungefähr so: „Eigentlich alle, die sich für das Thema interessieren.“ Das klingt erst einmal plausibel, hilft deinem Buch ehrlich gesagt aber kaum weiter. Bücher entfalten dann ihre Wirkung, wenn sie eine konkrete Leserschaft ansprechen. Das sind Menschen mit ähnlichen Fragen, ähnlichen Herausforderungen oder ähnlichen Bedürfnissen.
Konkrete Zielgruppen wären zum Beispiel selbstständige Frauen, die ihr Business aufbauen. Führungskräfte in Veränderungsprozessen. Coaches, die ihre Positionierung schärfen möchten.
Je klarer du dir diese Menschen vorstellst, desto klarer wird auch dein Buch.
Frage 3: Was soll deine Zielgruppe nach dem Lesen verstanden haben?
Diese Frage bringt viele Buchideen sehr schön auf den Punkt, denn ein Buch besteht nicht nur aus Kapiteln, Geschichten und schlauen Gedanken. Ein gutes Buch bewirkt etwas beim Lesen. Vielleicht verschiebt es die Perspektiven deiner Leserschaft, löst einen Knoten im Kopf oder erklärt ein Problem so klar, dass plötzlich Bewegung entsteht.
Du solltest also ganz konkret schon vor dem Schreiben wissen:
• Was sollen deine Leserinnen nach dem letzten Kapitel verstanden haben?
• Welche Frage beantwortet dein Buch?
• Welches Problem wird danach leichter?
Wenn diese Veränderung unklar bleibt, verliert auch dein Buch seinen thematischen Fokus.
Der entscheidende Perspektivwechsel beim Buchschreiben
Während dieser Gespräche ging mir immer wieder derselbe Gedanke durch den Kopf: Fast alle Menschen, die sich zu mir setzten, erzählten aus ihrer eigenen Perspektive. Ihr Thema hatte sie bewegt, herausgefordert oder verändert. Genau daraus entstand der Wunsch, ein Buch zu schreiben.
Das ist der natürliche Anfang. Aber an einem Punkt braucht es einen Perspektivwechsel. Ein gutes Buch entsteht erst dann wirklich, wenn du den Blick deiner Leserinnen einnimmst.
Dann rücken nämlich plötzlich ganz andere Fragen in den Mittelpunkt:
• Wo bleiben diese Menschen gerade stecken?
• Welche Probleme treiben sie nachts um drei um und halten sie wach?
• Welche Zusammenhänge verstehen sie noch nicht?
Erst wenn du die Perspektive deiner Leserschaft einnimmst, erkennst du, wo dein Buch wirklich helfen kann.
Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung beim Schreiben. Wir müssen einen Schritt zurücktreten, den eigenen Erfahrungsfilm kurz anhalten und stattdessen die Welt durch die Augen unserer Leserinnen betrachten.
Gar nicht so einfach, oder?
Wie aus einer persönlichen Erfahrung ein Buchthema wird
Persönliche Erfahrungen bilden oft den Ausgangspunkt für ein Buch. Viele großartige Bücher beginnen genau dort. Entscheidend ist die Übersetzung dieser Erfahrung in ein konkretes Problem deiner Leserschaft.
Eine Teilnehmerin wollte zum Beispiel ein Buch über die oganisatorischen Herausforderungen innerhalb von Patchworkfamilien schreiben. Sie ist selbst Bonusmutter und kennt den Hustle nur zu gut. Das könnte dann so aussehen: Welche Konflikte entstehen typischerweise in solchen Familien?
Warum eskaliert Kommunikation so schnell?
Welche Strukturen helfen, damit Gespräche gelingen?
Vielleicht zeigt sich hier sogar ein spannender Buchwinkel: Patchwork-Familien als komplexe Projekte des Lebens zu betrachten. Als ein System, das Struktur, Kommunikation und klare Rollen braucht. Es hilft natürlich sehr (für die Verlagssuche und als Kaufargument für deine Leserschaft) , wenn du gleichzeitig auf möglichst vielen Ebenen zeigen kannst, dass du echte Expert*in für dein Thema bist. In diesem Fall würde es deine Glaubwürdigkeit natürlich noch einmal unterstützen, wenn du zusätzlich Kommunikationsexpertin bist, einen psychologischen Background hast oder schon länger zu dem Thema z.B. eine Podcast betreibst.
Mini-Selbsttest: Prüfe deine Buchidee in fünf Minuten
Wenn du selbst mit dem Gedanken spielst, ein Buch zu schreiben, lohnt sich also ein kurzer Selbsttest.
Bevor du Kapitel entwirfst oder über einen Titel grübelst, nimm dir fünf Minuten Zeit und beantworte drei Fragen:
• Welches Ziel verfolge ich mit meinem Buch?
• Wer genau soll dieses Buch lesen?
• Was sollen diese Menschen danach verstanden haben?
Wenn du darauf klare Antworten findest, besitzt deine Idee eine stabile Grundlage. Wenn du ins Grübeln gerätst – auch gut. Genau dort beginnt die eigentliche Konzeptarbeit.
Und manchmal reicht auch schon ein kurzes Gespräch, um den Knoten im Kopf zu lösen.
(Wenn du tiefer in die Buchplanung einsteigen willst, schau auch in meinen Artikel „Dein Buch-Projekt: Die 5 Phasen, die dir deine Planung erleichtern“.)
Wann aus einer Idee wirklich ein Buch wird
Was mich an diesem Abend in Hamburg wieder beeindruckt hat: Wie viele Menschen mit einer Buchidee herumlaufen! Ein Thema, das ihnen wichtig ist, eine Erfahrung, die sie teilen möchten. Die Energie ist also da. Der entscheidende Schritt besteht darin, diese Energie in eine Richtung zu lenken. Weg von der eigenen Geschichte, hin zu den Fragen der Leserinnen.
Denn genau dort entfaltet ein Buch seine Wirkung.
Und mal ehrlich: Genau dafür schreiben wir doch Bücher, oder?
Du merkst, dass in deiner Buchidee mehr steckt, aber dir fehlt noch die Klarheit? Dann lass uns schnacken. Manchmal braucht es nur ein Gespräch, um aus einem diffusen Gedanken ein klares Buchkonzept zu machen.
Schreib schön,
Deine Melanie


